Infos zu HIV und Hepatitis
„Hepatitis“ bedeutet Leberentzündung. Es gibt viele Arten mit ganz verschiedenen Ursachen. Hier soll es vor allem um die Formen von Hepatitis gehen, die durch Viren verursacht werden. Auch davon gibt es mehrere, mit unterschiedlichen Übertragungswegen und Folgen. Sie werden mit den ersten Buchstaben des Alphabets bezeichnet, von Hepatitis A bis Hepatitis E.
Für Menschen mit HIV ist es besonders wichtig, über Hepatitis Bescheid zu wissen. Der Krankheitsverlauf von HIV und Hepatitis können sich gegenseitig beeinflussen. Auch die Therapien müssen teilweise aufeinander abgestimmt werden. Hinzu kommt, dass die Leber oft durch HIV-Medikamente ohnehin überlastet ist. Kommt eine Hepatitis hinzu, kann das die Leber besonders stark schädigen.
Hier findest du eine kurze Übersicht und Infos zu den unterschiedlichen Hepatitis-Infektionen. Weiteführende Links findest du am Ende des jeweiligen Textabschnitts.
Allgemeines zum Thema HIV und Hepatitis
Bei einer Hepatitis dringt das jeweilige Virus in die Leberzellen ein,
ähnlich wie HIV sich in Zellen des Immunsystems und Nervenzellen
einnistet. Es vermehrt sich in der Leber und schädigt sie, das
Immunsystem hält dagegen, indem es infizierte Zellen zerstört.
Manche Formen der Hepatitis heilen normalerweise von alleine, andere
können schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen und sogar
tödlich verlaufen. Wenn nämlich der Körper nicht selber mit dem Virus
fertig wird, kann sich eine chronische Leberentzündung entwickeln.
Während das Immunsystem infizierte Leberzellen abtötet, werden dann
fortwährend neue infiziert. Das kann zu Leberzirrhose (Vernarbung des
Lebergewebes) und schließlich Leberkrebs führen.
Eine sichere Hepatitis-Diagnose kann nur durch einen Antikörper-Test im
Labor gestellt werden. Die Symptome können nämlich sehr unterschiedlich
sein, teilweise sind zunächst über lange Zeit überhaupt keine
wahrnehmbar. Wer einem Hepatitis-Risiko ausgesetzt war, sollte darüber
deswegen mit seinem Arzt sprechen. Wer Sex mit wechselnden Partnern
hat, sollte sich regelmäßig auf Hepatitis-Viren checken lassen.
Dass Hepatitis immer mit einer Gelbfärbung der Haut einhergeht, ist
übrigens ein Irrtum. Bei Hepatitis B tritt sie zum Beispiel nur in
einen Drittel der Fälle auf, bei Hepatitis C sogar nur bei etwa 10
Prozent. Umgekehrt kann die Gelbfärbung auch andere Ursachen haben als
Hepatitis. Hepatitis mit Gelbsucht gleichzusetzen ist deswegen falsch.
Gegen Hepatitis A und B kann man sich auch als HIV-Positiver leicht durch eine Impfung schützen. Weiterführende Infos zu Hepatits findest du unter:
- www.rki.de (Website des Robert-Koch-Instituts mit sehr ausführlichen Informationen, teilweise nur für Fachleute verständlich.)
- www.hepatitis-care.de (Die Hepatitis-Seite der Pharma-Firma Roche bietet gut verständliche Informationen, vor allem über Hepatitis C und Hepatitis als Koinfektion von HIV.)
- www.swiss-magen-darm.com (Das Schweizer Magen-Darm-Zentrum bietet sehr gut aufbereitete Infos an, auch über die Leber und die verschiedenen Hepatitis-Formen.)
- http://www.sevhep.ch/ (Gut verständliche Schweizer Website für Fachleute wie für Patienten.)
- www.hep-links.com (Englischsprachige Seite, die aber auch auf deutsche Seiten verlinkt.)
Hepatitis A
Krankheitsverlauf
50 bis 70 Prozent der Menschen, die sich mit dem Hepatitis-A-Erreger
HAV infizieren, erkranken auch daran. Etwa vier Wochen nach der
Infektion kommt es zu Symptomen, die einer Magen-Darm-Grippe ähneln:
Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber, Durchfall und/oder
Schwächegefühle. Dunkler Urin und heller Kot können Anzeichen für einen
besonders heftigen Verlauf sein. Auch Schmerzen unter dem rechten
Rippenbogen – da befindet sich die Leber – können Anzeichen einer
Hepatitis sein. Hepatitis A heilt normalerweise nach maximal acht
Wochen vollständig aus. Danach ist man immun gegen HAV, kann sich also
nicht noch mal infizieren.
Übertragungswege
Hepatitis A wird fäkal-oral übertragen. Das bedeutet, die Erreger sind
im Kot und im Urin enthalten und geraten durch Schmierinfektion in den
Mund, etwa über die Hände oder Gegenstände – beim Sex auch mal direkt.
In wärmeren Ländern – nicht in Deutschland – findet sich das Virus auch
oft in verunreinigtem Wasser und in Lebensmitteln, etwa in Muscheln
oder in Gemüse. Deswegen ist die Hep A oft ein unerwünschtes
Reiseandenken.
Schutzmöglichkeiten und Impfung
Gegen Hepatitis A kann man sich impfen lassen. Diese Impfung ist
empfehlenswert, auch für HIV-Positive. Sie erfolgt in der Regel mit
einem Kombipräparat, das auch gegen Hepatitis B immun macht. Geimpft
wird per Injektion in den Oberarm. Ansonsten kann man das Risiko einer Hepatitis-A-Infektion reduzieren,
indem man den Kontakt mit Fäkalien meidet – also zum Beispiel auch
kein „Rimming“ (=Arschlecken) praktiziert. Nach der Benutzung
öffentlicher Toiletten sollte man sich gründlich die Hände waschen (was
man ja ohnehin meist tut). Das gilt insbesondere in Risikoländern (z.B.
Südeuropa). Dort lässt sich die Gefahr außerdem vermindern, indem man
Wasser abkocht und auf Eiswürfel, Meeresfrüchte, rohes Fleisch und
Fisch verzichtet. Insbesondere in Entwicklungsländern mit hohem
Hepatitis-Risiko sollte man nur abgefüllte Getränke konsumieren und
Speiseeis links liegen lassen. Vorsicht auch bei Früchten und Gemüse,
das möglicherweise mit Leitungswasser gewaschen wurden!
Therapie
Gegen Hepatitis A gibt es keine Therapie, der Körper überwindet die Krankheit aber in aller Regel alleine.
Informationen
Weiterführende Informationen zu Hepatitis A findest du unter www.rki.de.
Hepatitis B
Krankheitsverlauf
Mit der Hepatitis B ist nicht zu spaßen: In zwei Dritteln aller Fälle
sind keine oder nur schwache Symptome spürbar, sie kann unbehandelt
jedoch chronisch verlaufen und im schlimmsten Fall sogar zu
Leberzirrhose und Leberkrebs (Leberzellkarzinom) führen. Im Normalfall
heilt die Krankheit allerdings nach zwei bis sechs Wochen vollständig
aus. Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch (Inkubationszeit) liegt bei
ein bis sechs Monaten. Typische Symptome, wenn sie auftreten, sind
Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und dunkler Urin.
Übertragungswege und Infektionsrisiken
Der Hepatitis-B-Erreger HBV wird vor allem durch Blut, aber auch durch
Körperflüssigkeiten wie Urin, Speichel, Sperma und Muttermilch
übertragen. Die meisten Infektionen passieren beim Sex, denn dem Virus
reichen kleinste Verletzungen der Haut oder der Schleimhaut, um in den
Körper zu gelangen. Besonders oft wird HBV übertragen, wenn mehrere
Personen beim Drogenkonsum das gleiche Spritzbesteck benutzen.
Schutzmöglichkeiten und Impfung
Gegen Hepatitis B kann man sich impfen lassen. Diese Impfung ist
HIV-Positiven dringend zu empfehlen, weil die Hepatitis B bei ihnen
besonders schwere Folgen haben kann (siehe „Koinfektionen“). Die
Impfung erfolgt in der Regel mit einem Kombipräparat, das auch gegen
Hepatitis A immun macht. Zugleich ist mit der Impfung automatisch die
Hepatitis D erledigt, denn die kann nur mit Hepatitis B gemeinsam
auftreten. Geimpft wird per Injektion, meist in den Oberarm. Das Risiko einer Hepatitis B lässt sich außerdem durch Safer Sex
erheblich reduzieren. Drogengebraucher können es vollkommen
ausschließen, wenn sie Spritzbestecke nicht gemeinsam benutzen (was
auch vor einer Weitergabe von HIV schützt).
Therapie
Bei einer akuten Hepatitis B werden normalerweise nur die Symptome
behandelt, den Rest erledigen die Selbstheilungskräfte des Körpers.
Wenn aber eine Hepatitis B chronisch wird, muss therapiert werden. Bei
Menschen mit HIV spricht das höhere Risiko schwerer Lebererkrankungen
(siehe nächster Abschnitt) für eine sofortige Therapie. Zwei
Standardbehandlungen stehen zur Verfügung: Interferon alfa stärkt das
Immunsystem. Es muss injiziert werden und hat oft grippeähnliche
Nebenwirkungen. Zeffix® (Lamivudin/3TC) bremst die Virusvermehrung. Interferon wird heute häufig mit Anti-HIV-Medikamenten kombiniert.
Epivir® (ebenfalls Lamivudin/3TC), Viread® (Tenofovir) und Emtriva®
(Emtricitabin) wirken nämlich auch gegen HBV, weil das Virus sich
ähnlich vermehrt wie HIV.
Koinfektionen
Bei Menschen mit HIV verläuft die Hepatitis B deutlich häufiger
chronisch, und sie haben ein stark erhöhtes Risiko, an einer
Lebererkrankung zu sterben. Das gilt für HIV-Positive, aber zum
Beispiel auch für viele Drogengebraucher. Die Wahrscheinlichkeit eines
schwereren Verlaufs wächst, je stärker das Immunsystem schon geschädigt
ist. Bei sehr schwachem Immunsystem können in manchen Fällen scheinbar
ausgeheilte Hepatitis-B-Infektionen wieder zurückkehren. Die Krankheit
beeinflusst aber weder die Zahl der T-Helferzellen, noch treten
aids-definierende Erkrankungen schneller ein.
Informationen und Beratung
Weitere ausführliche Informationen zu Hepatitis B findest du nter www.hiv-med-info.de und unter www.rki.de.
Hepatitis C
Krankheitsverlauf
Hepatitis C verläuft besonders häufig chronisch, das heißt, man wird
sie unter Umständen ein Leben lang nicht mehr los. Eine chronische
Hepatitis C kann schwere Lebererkrankungen nach sich ziehen und zum Tod
führen. Bei einer chronischen Hepatitis C werden ständig neue Leberzellen
infiziert, die dann absterben oder vom Immunsystem beseitigt werden.
Wird dieser Prozess nicht durch eine Therapie gestoppt, vernarbt so auf
Dauer das Lebergewebe. Das nennt man Leberzirrhose. Die Leber kann ihre
wichtigen Funktionen im Stoffwechsel des Körpers und bei der Entgiftung
nicht mehr richtig wahrnehmen. Eine Leberzirrhose kann viele
lebensbedrohliche Erkrankungen wie innere Blutungen oder Vergiftungen
nach sich ziehen. Schließlich kann Leberkrebs entstehen. Zum Glück lässt sich ein solcher Verlauf durch eine rechtzeitige
Therapie fast immer verhindern. Die Behandlung ist allerdings aufwändig
und kann unangenehme Nebenwirkungen haben. Hinzu kommt: Man bemerkt
diese Form der Hepatitis oft erst spät, weil sie anfangs meist ohne
Symptome verläuft. Manchmal ist nur so etwas wie ein leichter grippaler
Infekt spürbar, auch Müdigkeit kann auftreten. Hier gilt in besonderem
Maße: Nur ein regelmäßiger Antikörpertest verschafft Sicherheit.
Übertragungswege und Infektionsrisiken
Der Hepatitis-C-Erreger HCV befindet sich vor allem im Blut, kann bei
hoher HCV-Viruslast im Blut aber auch in anderen Körperflüssigkeiten
wie zum Beispiel Speichel und Sperma auftreten. Übertragen wird HCV
meist beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzen und beim Sex. Auch beim
unprofessionell durchgeführten Tätowieren und Piercen kann Hepatitis C
übertragen werden. Lange Zeit hieß es, eine sexuelle Übertragung sei so gut wie
ausgeschlossen. Heute wissen wir, dass das nicht stimmt. Nicht wenige
HIV-infizierte schwule Männer, die häufig Sex mit wechselnden Partnern
haben, sind auch HCV-positiv.
Schutzmöglichkeiten und Impfung
Gegen Hepatitis C gibt es keinen Impfschutz. Auch wer bereits einmal
erkrankt war, ist nicht immun, kann sich also erneut infizieren. Safer
Sex schließt das Risiko einer Übertragung nicht aus, verringert es aber
ganz massiv. Safer Use – kein gemeinsames Benutzen von Spritzbestecken
– schützt selbstverständlich zuverlässig vor einer Übertragung von HCV.
Wer sich tätowieren oder piercen lassen möchte, sollte zu einem Profi
gehen, der unter einwandfreien hygienischen Bedingungen arbeitet.
Therapie
Hepatitis C wird mit zwei Medikamenten in Kombination behandelt:
Interferon stimuliert das Immunsystem und hat auch virushemmende
Wirkung. Ribavirin bremst die Virusvermehrung. Die Erfolgsaussichten
der Therapie steigen, je früher man beginnt und hängen auch von der
Virusvariante ab, die man sich eingefangen hat. Vom speziellen
Erbmaterial des Virus hängt auch ab, ob sechs oder zwölf Monate
behandelt wird. Bei dieser Entscheidung spielt außerdem die
HCV-Viruslast eine Rolle. Interferon muss injiziert werden und hat
teilweise grippeähnliche Nebenwirkungen.
Koinfektionen
Eine Hepatitis C verläuft bei Menschen mit HIV oft schneller, vor allem
wenn das Immunsystem schon stark geschwächt ist (CD4-Wert unter 100).
Sie entwickeln auch häufiger schwere Lebererkrankungen und sterben
häufiger daran als Hepatitis-C-Infizierte ohne HIV. Wenn eine Hepatitis
C gemeinsam mit HIV oder Hepatitis B auftritt, vermindert das die
Heilungschancen. Durch die Hepatitis und die zusätzlichen Belastungen
der HIV-Therapie ist die Leber bei manchen Patienten schneller
überlastet. Außerdem ist es nicht leicht, zwei aufwändige Therapien
aufeinander abzustimmen und gemeinsam zuverlässig einzuhalten. Wer eine
chronische Hepatitis C hat, sollte sich gegen Hepatitis A und B impfen
lassen, um die Leber vor weiteren Belastungen zu schützen. Ob die Hepatitis C auch den Verlauf der HIV-Infektion beschleunigt, ist noch nicht abschließend geklärt.
Information und Beratung
Weitere ausführliche Informationen zu Hepatitis C findest du unter www.hiv-med-info.de und unter www.rki.de.
Hepatitis D
Krankheitsverlauf
Hepatitis D ist eine echte Rarität. Das Virus hat keine eigene
Virushülle und funktioniert deswegen nur gemeinsam mit dem
Hepatitis-B-Virus. Hepatitis D kann den Verlauf der Hepatitis B stark
verschlimmern, vor allem, wenn man sich den zweiten Virus nicht
gleichzeitig, sondern erst später zuzieht („Superinfektion“).
Übertragungswege und Infektionsrisiken
Hepatitis D wird vor allem durch kontaminierte Spritzen übertragen,
meist wenn Drogengebraucher dasselbe Spritzbesteck benutzen. Es kommt
vor allem im Mittelmeerraum, in Rumänien, auf der arabischen Halbinsel
und in Teilen Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas häufig vor.
Schutzmöglichkeiten und Impfung
Gegen Hepatitis D kann man sich indirekt impfen lassen, indem man sich
gegen Hepatitis B impfen lässt. Safer Use schützt vor einer Übertragung.
Therapie
Hepatitis D wird mit Interferon behandelt, die Behandlung ist jedoch
langwierig, und die Krankheit heilt oft trotzdem nicht aus. Häufig
verbreitet sich das Virus nach dem Ende der zunächst einjährigen
Behandlung erneut. Die Behandlung der Hepatitis B erledigt leider nicht
automatisch die Hepatitis D!
Information und Beratung
Weitere ausführliche Informationen zu Hepatitis D findest du unter www.rki.de.
Hepatitis E
Krankheitsverlauf
Hepatitis E ähnelt der Hepatitis A, hat allerdings eine etwas längere
Inkubationszeit und verläuft schwerer. In seltenen Fällen führt sie
sogar zum Tod. Für schwangere Frauen ist die Hepatitis E
außerordentlich gefährlich und endet häufig tödlich.
Übertragungswege
In Mitteleuropa kommt die Hepatitis E nur selten vor. Verbreitet ist
sie in Teilen Asiens und Nordafrika. Sie wird vor allem über
verseuchtes Wasser übertragen und fäkal-oral übertragen (siehe
Hepatitis A).
Schutzmöglichkeiten und Impfung
Es gibt keine Impfung. Schwangere sollten keine Reisen in Regionen
unternehmen, in denen die Hepatitis E häufig vorkommt. Weitere
Schutzmöglichkeiten siehe Hepatitis A.
Therapie
Es gibt keine Therapie gegen Hepatitis E, nur die Symptome können gelindert werden.
Koninfektionen
Die Hepatitis E verringert laut einer Studie die Zahl der
CD4-Helferzellen, was bei immungeschwächten Menschen möglicherweise
besonderen Schaden anrichten kann.
Information und Beratung
Weitere ausführliche Informationen zu Hepatitis E findest du unetr www.rki.de.
