HIV-Resistenzen auf dem Rückzug
Zürich – Entgegen allen Befürchtungen scheint die Zahl der HIV-Patienten, die nicht mehr auf Medikamente ansprechen, nicht zuzunehmen. Die jüngste Analyse der Schweizerische HIV-Kohortenstudie in Clinical Infectious Diseases (2009; 48: 979-87) dokumentiert sogar einen Rückgang der Medikamentenresistenzen.
Das HI-Virus ist genetisch sehr variabel. Deshalb hatte man erwartet, dass die Viren sich schnell auf neue Medikamente einstellen würden und die Prävalenz der Resistenzen steigt. Dies scheint – zumindest für die Schweiz – und damit wohl auch für Deutschland – nicht der Fall zu sein. In der repräsentativen schweizerischen HIV-Kohorte, die knapp die Hälfte aller HIV-Patienten in der Schweiz und insgesamt mehr als 8000 Personen umfasst, wiesen 1999 zwischen 50 und 57 Prozent der Patienten resistente Viren auf. Im Jahr 2007 waren aber nur noch 37 bis 45 Prozent der Patienten mit resistenten HI-Viren infiziert.
Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich führt dies auf zwei Entwicklungen zurück. Zum einen gib t es immer weniger Patienten, die vor der Einführung der heutigen Dreierkombinationen noch einer Therapie mit zwei oder nur einem Wirkstoff ausgesetzt waren, was die Ausbreitung der Resistenzen gefördert hatte. Zum anderen scheint der frühzeitige Therapiebeginn mit dem Einsatz von geboosterten Proteaseinhibitoren und nichtnukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) nur selten zu Resistenzen zu führen, was allerdings nur für die Schweiz und ähnlich hoch entwickelte Länder gelten dürfte, wo sich die Menschen die neuen Medikamente leisten können und die Wirksamkeit der Therapie engmaschig kontrolliert wird.Günthard mahnt jedoch zur Vorsicht. Die neuen Medikamente könnten die Ausbreitung resistenter Viren nicht verhindern, sondern lediglich verringern. Dies zeige auch die Analyse der Daten in einer Subgruppe von 418 Patienten, die in den Jahren 2002 bis 2007 mindestens einmal jährlich zu einer ärztlichen Visite erschienen und dadurch eine so genannte geschlossene Kohorte von mehr als 4.000 Patienten bildeten.
In dieser Gruppe stieg die Prävalenz der resistenten Viren, wenn auch in einem viel geringeren Ausmaß als Experten wie Günthard befürchtet hatten. Statt der gemäß früheren Schätzungen pro Jahr befürchteten zehn Prozent an resistenten Viren, fanden die Forscher in kombiniert behandelten Patienten eine Zunahme von knapp fünf Prozent vor. Die neuesten Behandlungsmethoden konnten den Anstieg resistenter Viren sogar auf nur noch zwei Prozent pro Jahr bremsen.
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